"Spielend aktiv!" - Silver Gaming bei der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg

„Was man sich mit dem Geld alles hätte machen können“, meint Frau Meier (Name geändert), nachdem Sie gerade 16.000 Euro bei „Wer wird Millionär?“ gewonnen hat. Jedoch nur virtuell – nimmt sie doch an dem Programm „Spielend aktiv“ des Käte-Reichert-Alten- und Pflegeheims der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg teil.

Hier erhalten Bewohner bis hin zu Pflegestufe III die Möglichkeit durch Fachkräfte betreut in die Welt der Videospiele einzutauchen. Das solche Spiele neue Möglichkeiten im Bereich Beschäftigung, Motivation und Kommunikation bieten, spricht sich langsam herum. Nicht zuletzt die Senioren-Bowlingmeisterschaft mit der Nintendo Wii-Spielekonsole hat das Thema bundesweit auch in Altenheimen bekannt gemacht. Bowling ist durchaus auch einer der Klassiker im Käte-Reichert-Heim. Da nimmt schon mal eine weitgehend im-mobile Bewohnerin dem Nachbarn den Controller aus der Hand. „Ich zeige Dir mal wie das geht!“ Nicht ohne nach mehrfachen Fehlversuchen mit der Steuerung tatsächlich zum Erstaunen aller Mitspieler „Alle Neune“ zu treffen.

Aber das Programm an dem Altenheim geht noch einen deutlichen Schritt weiter. Denn die komplexen Steuerungen stellen oftmals zu hohe Anforderungen an Konzentration und Verständnis der Spieler. Das Programm ist deshalb Teil einer Studie des Nürnberger Unternehmens Game Engineers, das gemeinsam mit dem Institut für Interdisziplinäre Innovationen (iii) an der Georg-Simon-Ohm-Hochschule Nürnberg e. V. am Themenkomplex „Silver Gaming“ forscht. Die Spieler der so genannten Silber-Generation, also der Zielgruppe 50+, gelten zwar nicht zuletzt aufgrund des demographischen Wandels in der Spielebranche als stetig wachsender Markt, wirklich altengerechte Steuerungen und Bedienungsoberflächen gibt es jedoch nicht. „Zum Geschäftsfeld Silver Gaming gehört insbesondere die Entwicklung und Evaluation von zielgruppen- und normengerechten Hard- und Softwarekomponenten“, sagt Roland Weiniger, geschäftsführender Gesellschafter der Game Engineers und selbst seit über 20 Jahren Spiele-Entwickler. „Spiele gehören seit jeher zu den wichtigen Betreuungs- und Beschäftigungselementen in der Pflege. Mittels moderner Technik und Medien können nun zusätzliche Sinne angesprochen und reaktiviert werden.“ so Weiniger.

Aufgrund der sehr positiven Resonanz der Bewohner wurde der bislang jeweils wöchentliche Spiele-Vormittag später auf einen zusätzlichen Wochentag ausgedehnt werden. „Vielleicht laden wir demnächst auch mal Kinder aus den Tagesstätten hinzu“, freut sich Hermann Beißer, Heimleiter des Käte-Reichert-Heims.

Praxisberichte aus dem Programm und vorläufige Ergebnisse der Studie – die zeitgleich auch im Wohlfahrtswerk Baden-Württemberg durchgeführt wurden – fanden auf dem Vorkongress  „Silver Gaming und Ambient Assisted Living“ im Rahmen des 3.AAL-Kongresses des BMBF am 25. Januar in Berlin durch den Heimleiter Ihre erste Präsentation.

Was als Experiment und Forschungsprojekt im November 2009 begann, ist heute eine selbstverständliche Einrichtung im Käte-Reichert-Heim. Mit dem Umbau steht die Heimbewohner nun ein voll ausgestatteter Videospiele-Raum mit fest eingerichteten Beamer und Konsole zur Verfügung. Nun kann nach Herzenlust gespielt werden.

Links

 Das Käte-Reichert-Heim der Arbeiterwohlfahrt Nürnberg
 Programmseiten des Kongresses "Silver Gaming und AAL"