Standort: Spielehauptstadt Nürnberg

Am Anfang der Spielzeug-Geschichte Nürnbergs steht der "Große Freiheitsbrief" von Kaiser Friedrich II.: Wer immer in Nürnberg Handel betrieb, zahlte seit 1219 keinen oder nur wenig Zoll. Ein echter Standortvorteil für die Frankenmetropole, die ohnehin an der wichtigsten Handelsroute des Mittelalters lag: Händler, die edle Stoffe und Gewürze aus dem Orient via Venedig nach Nordosten lieferten, passierten Nürnberg - und bald füllten sie die Lücken ihrer Packtaschen mit einigem "Tand" und Spielzeug.
Als ältester Beleg für die Nürnberger Spielwarenproduktion gilt eine bei Grabungen entdeckte Ton-Puppe aus dem 14. Jahrhundert. Eine städtische Steuerliste aus dem Jahr 1400 gibt einen weiteren Hinweis auf die Jahrhunderte alte Tradition: In dieser Liste werden zwei Puppenhersteller aufgeführt - die sogenannten "Dockenmacher". Sie gelten damit als die ältesten dokumentierten Spielzeugproduzenten in Europa.
Die erste Blüte der Spielwarenproduktion fällt ins 18. Jahrhundert. Spielzeug war ein teurer Spaß, den sich nur der Adel und das aufstrebende Bürgertum leisten konnte. 1793 erscheint der erste Katalog des Nürnberger Spielwarenhändlers Hieronimus Georg Bestelmeier. Wenig später hatte ein Nürnberger Kaufhaus schon über 8.000 Spielwaren im Angebot: hölzerne Steckenpferde, Puppenküchen und Kaufmannsläden.
Vor 100 Jahren, als es noch kein Plastikspielzeug gab, waren Blechautos und Zinnfiguren aus Nürnberg der Verkaufsschlager. Seit 1924 gilt eine Figur der Nürnberger Firma Heinrichsen sogar als offizieller internationaler "Gardemaßstab für Spielzeugsoldaten". In Spanschachteln verpackt eroberten die Zinnsoldaten die Spielzeugwelt. Bis heute zählen Figuren wie auch Blechautos zu beliebten Sammlerstücken.
Waren Spielwaren im Mittelalter nur "Lückenfüller" der Händler, lebt heute ein ganzer Wirtschaftszweig davon: In ganz Deutschland sind 12.000 Menschen in der Spielwarenbranche tätig, rund 3.000 allein in Mittelfranken. Hier steht die Wiege vieler Produkte: So machen Kinder in aller Welt ihre ersten Fahrversuche auf feuerroten Bobbycars, spielen mit Playmobil-Figuren aus Zirndorf oder mit ihrer Modelleisenbahn "Made in Nürnberg".
Die Nürnberger Spielwarenmesse feierte im Jahr 1950 mit 351 Ausstellern und 4.321 Einkäufern Premiere. Noch im selben Jahr wurde auch die genossenschaftliche Organisationsform des Unternehmens ins Leben gerufen, die nach wie vor Bestand hat. Heute hat die Spielwarenmesse eG 240 Mitglieder, darunter alle wichtigen Unternehmen der Branche.
Erst seit 1973 hat die Spielwarenmesse auf dem damals neu eröffneten Messegelände in Nürnberg-Langwasser eine feste Heimat. Die Jahre zuvor werden in einem Buch zum 50. Bestehen beschrieben als "Zeit des Bettelns, Bittens und Bezahlens um verschiedene Gebäude, Säle, Lehrzimmer, Pfarrhäuser". Waren anfangs nur deutsche Firmen zugelassen, öffnete sich die Messe 1958 auch internationalen Herstellern. Seitdem stieg die Zahl der Aussteller stetig. 1968 waren es schon mehr als 1.200, 1991 wurde die Marke von 2.000 Ausstellern übersprungen. Zugleich erhöhte sich die Zahl der Fachbesucher auf die Rekordzahl von 80.302 Messebesuchern 2007.
1995 gründete sich die SpieleGilde als Verband süddeutscher Spieleautoren, -händler, -verlage und Vereine in Nürnberg und erlangte u.a. durch vielfache Auftritte auf Fachmessen in Deutschland, Österreich und der Schweiz eine überregionale Aufmerksamkeit. Durch diese internationalen Tätigkeiten nunmehr umbenannt in Verband "deutschsprachiger" Spieleautoren, -händler, -verlage und Vereine, war die SpieleGilde bis 2000 ein Anlaufpunkt für junge Autoren aus Deutschland und dem europäischen Ausland und unterstützte diese für den Eintritt in die Spieleindustrie. Heute gehört der Verband zu den wichtigsten Organisationen rund um Innovationen in Serious Games, Silver Gaming und der Verknüpfung zwischen klassischen Brett- und Kartenspielen und der Computer-/Onlinespielewelt.
Erst kürzlich entschied sich die Stadt Nürnberg die Sammlung des Deutschen Spielearchivs Marburg zu kaufen und stärkte somit weiter die Stellung im Spielemarkt.
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